Volker C. Dützer
 


Der Ausflug in eine Berghütte endet für Jennifer Nowak in einer Katastrophe. Ihr Lebensgefährte stirbt, Jennifer überlebt nur knapp. Von Brandnarben entstellt, steht sie vor den Scherben ihrer Existenz. Ihr Schicksal nimmt eine unerwartete Wendung, als sie ein Haus in Cornwall erbt. Sie flieht nach England, um ein neues Leben zu beginnen. Doch das alte Haus und der verwilderte Garten bergen ein schreckliches Geheimnis. Jennifer freundet sich mit Travis Sayer an, der in seinen Heimatort Pennack zurückgekommen ist, um einen Mord aufzuklären, der ihm angelastet wird. Doch ist Travis wirklich so unschuldig wie er behauptet? Was hat es mit dem unheimlichen Grabstein auf sich, den Jennifers Vorfahre Henry Maugham im Garten des Hauses aufstellte? Und wer will Jennifer unter allen Umständen aus dem Haus vertreiben? Es scheint, als wäre das Unglück in der Berghütte geplant gewesen … 



Leseprobe

Sie holten ihn ab, bevor die Sonne hoch genug am Himmel stand, um den Nebel über den Klippen von Land‘s End zu vertreiben. Holz splitterte krachend, als sie die Tür des Bootsschuppens aufbrachen. Travis Sayer erwachte quälend langsam aus einem bleiernen Rausch. Fremde Stimmen drangen in seinen vom Alkohol benebelten Kopf, ein greller Lichtstrahl bohrte sich in seine Augen. Bevor er begriff, was mit ihm geschah, wälzten sie ihn auf den Bauch und drückten ihn auf die Ladefläche des Pick-ups. Jemand faselte etwas von Rechten und dass alles, was er von nun an sagte, gegen ihn verwendet werden könnte.

Aus dem Halbdunkel tauchte das gerötete Gesicht von Jenkins auf, des einzigen Polizisten von Pennack und Liebhabers von Küchenweisheiten und Sprichwörtern.

„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, Sayer. Du bist genauso verdorben wie dein Vater“, sagte er. „Besser, wir entfernen dich aus Pennack, bevor du den ganzen Ort vergiftest.“

Teilnahmslos sah Jenkins zu, wie seine Kollegen Travis auf die Beine stellten. Sie fesselten ihn mit Handschellen und brachten ihn nach Exeter. Über der erwachenden Stadt lag eine Glocke aus milchigem Dunst, aus der nur die Spitzen der ehrwürdigen St.-Peter-Kathedrale ragten wie zwei mahnende Zeigefinger. Travis sah sie nicht, denn er war damit beschäftigt, den Inhalt seines Magens im Fond des Streifenwagens zu verteilen.

Das Nächste, woran er sich später erinnern sollte, war der harte Plastikstuhl unter seinem Hintern und der dumpfe, pochende Schmerz in seinen Schläfen. Jemand stellte einen Becher mit schwarzem Kaffee und ein Wasserglas vor ihn hin, in dem sich sprudelnd eine Tablette auflöste.

Ein Polizeibeamter setzte sich ihm gegenüber an den Tisch. Er trug keine Uniform, sondern Jeans und ein weißes Hemd. Das bedeutete, dass Travis es nicht mit der County-Polizei zu tun hatte. Der Mann mit den kohlschwarzen Augen und der Nase in Form eines Messerrückens war Kriminalbeamter. Es ging nicht darum, dass Travis betrunken randaliert hatte, es ging um … Susan.

„Trinken Sie das aus“, sagte der Polizist.

Travis bekam nach zwei Versuchen das Glas zu fassen. Seine Hand zitterte so heftig, dass Wasser über den Rand schwappte. Er trank es in einem Zug aus. Der saure Geschmack in seinem Mund verschwand, und auch die Watte in seinem Kopf löste sich so weit auf, dass er ein Gefühl tiefer Scham empfand.

Er mied den Alkohol, nur selten ließ er sich in Bills Pub zu einem Guinness einladen. Doch der gestrige Abend war nicht nach dem üblichen Muster verlaufen. Er wusste noch, dass er Steve Perkins auf dem Weg zum Bootsschuppen getroffen hatte. Steve hatte ihn überredet, eine Runde durch die Kneipen am Hafen zu drehen. Alles, was dann geschehen war, war weggewischt wie Kreide von einer Schultafel. Hatte Travis einmal mit dem Trinken angefangen, konnte er nicht mehr aufhören. Das war das furchtbare Erbe der Sayers. Wenn man von einem Erzeuger abstammte, in dessen Adern mehr Gin als Blut floss, ließ man besser die Finger vom Alkohol. Dass er es trotzdem getan hatte, gab den Spöttern recht, die ihm die gleiche Schussfahrt in die Trinkerhölle prophezeiten, auf der ihm sein Vater schon ein gutes Stück voraus war.

Travis versuchte angestrengt, die vergangenen Stunden zu rekonstruieren. Er sah sich selbst auf der Ladefläche des Pick-ups liegen und durch das Oberlicht des Bootsschuppens in den Himmel blicken. In dem kleinen Rechteck funkelten Sterne wie Quecksilbertropfen auf schwarzem Samt.

Im vergangenen Sommer hatte er sich mit Susan oft in dem verbotenen Garten getroffen. Dort oben über den Klippen von Pennack hatten sie im Gras gelegen, in die gewaltige dunkle Kuppel der Nacht hinaufgeblickt und Stecknadelköpfe aus Licht gezählt. Susan hatte diese Nächte ebenso geliebt wie Travis, doch mit dem Anbruch des Herbstes waren ihre heimlichen Ausflüge immer seltener geworden und hatten schließlich ganz aufgehört. Susan hatte erklärt, sie brauche Zeit, um eine Entscheidung zu treffen.

Der Polizist stellte ein Aufnahmegerät auf den Tisch und drückte eine Taste. Er sah auf seine Armbanduhr.

„Heute ist der 29. April 2016. Es ist jetzt 8:12 Uhr.“ Er warf Travis einen abschätzenden Blick zu. „Fühlst du dich in der Lage, dem Verhör geistig zu folgen?“

Travis wollte antworten, aber er brachte nur ein Krächzen hervor. Stattdessen nickte er und nippte an dem heißen Kaffee, um den bitteren Geschmack des Aspirins zu vertreiben. Es gelang ihm, sich so weit zu konzentrieren, dass er seine Umgebung bewusst wahrnahm. Sein Blick begegnete dem des Ermittlers. In dessen Augen lag eine triumphierende Gewissheit, die Travis an einen Angler denken ließ, an dessen Haken ein fetter Fisch zappelte.

„Warum bin ich hier?“, fragte er. „Wer sind Sie?“

„Ich bin Detective Chief Inspector Paul Tremaine, Territorial police force Devon & Cornwall, Abteilung für Gewaltverbrechen. Ab jetzt stelle ich die Fragen. Dein Name?“

„Travis Sayer.“

„Adresse?“

„TR 18, Pennack. Harbour St.“

„Wie alt bist du?“

„Dreiundzwanzig.“

„Du sieht jünger aus. Ist es okay, wenn ich dich duze?“

„Kein Problem.“

Tremaine trug die Angaben in ein Formular ein.

„Ich mache dich darauf aufmerksam, dass du das Recht hast, einen Anwalt hinzuziehen.“

„Ich brauche keinen, weil ich nichts Unrechtes getan habe.“

„Wie du willst.“

Ein zweiter Polizist trat ein und lehnte sich mit vor der Brust verschränkten Armen an die Wand.

„Ich denke, da irrst du dich, mein Junge“, sagte er.

„Bemerkung für das Protokoll“, sagte Tremaine, „Detective Sergeant Collins wird dem Verhör beiwohnen.“

„Was wollen Sie von mir?“, fragte Travis noch einmal.

„Erzähl uns mal, in welchem Verhältnis du zu Susan Prescott stehst“, sagte Collins.

„Sie ist … wir sind befreundet.“

Nur befreundet?“, fragte Tremaine.

„Nein. Mehr als das.“

„Zwischen dir und Susan läuft also etwas.“

„Ja … nein … Susan … ist sich nicht sicher, wie es mit uns weitergehen sollte.“

War es falsch, das zu erwähnen? Wenn er nur nicht so viel getrunken hätte. Er spürte instinktiv, dass jedes Wort wichtig sein könnte und darüber entschied, was mit ihm geschehen würde.

„Und Garreth Wyne?“, fragte Tremaine.

„Wir waren mal Freunde, aber das ist lange her. Den Grund dafür kennt jeder in Pennack. Was unsere Väter angezettelt haben, müssen wir ausbaden. Aber …“

Collins schnitt ihm das Wort ab. „Ziemlich miese Nummer, dem besten Kumpel das Mädchen auszuspannen.“

„Ich hab doch gesagt, wir sind nicht mehr befreundet. Und es war nicht meine Absicht. Es ist eben passiert … außerdem ist Garreth selbst schuld daran.“

„Du hast dich also regelmäßig mit Susan Prescott getroffen“, sagte Tremaine. „Auch gestern Abend?“

Travis dachte an den verwilderten Garten, an die warmen Nächte, in denen man das Meer unterhalb der Klippen rauschen hörte, und an den geheimnisvollen alten Grabstein, der Susan so faszinierte.

„Sie kam zu den Docks, das war so gegen sechs“, antwortete er. „Susan war ziemlich durcheinander und wollte unbedingt mit mir reden, aber nicht vor all den Leuten. Pennack ist ein Nest, in dem jeder über jeden Bescheid weiß. Es gibt schnell Gerede. Also verabredeten wir uns.“

„Hat sie gesagt, was es so Dringendes gab?“

„Nein. Vermutlich ging es um Garreth.“ Immer ging es um Garreth und seine verfluchte Eifersucht.

„Und weiter?“

„Ich hab dann von sieben bis kurz vor acht auf sie gewartet, aber sie kam nicht.“

„Wo wolltet ihr euch treffen?“

Travis zögerte. Plötzlich glaubte er zu wissen, was geschehen war. Wenn Garreth herausgefunden hatte, dass Susan ihn ausgerechnet mit ihm betrog, musste das seiner Eitelkeit einen ungeheuren Schlag versetzt haben. War er ihr gefolgt und hatte sie auf dem Weg zum Maugham-Garten abgefangen? Aber was war dann geschehen? Eine schreckliche Ahnung beschlich Travis. Wenn Garreth nicht bekam, was er wollte, konnte er schnell aufbrausend und jähzornig reagieren.

„Sagen Sie mir erst, was passiert ist.“

„Genau das wollen wir von dir wissen“, sagte Collins. „Also noch mal: Wo wolltet ihr euch treffen?“

„Ich sage nichts mehr, bevor ich nicht weiß, warum Sie mich mit einer ganzen Armee aus dem Bootshaus geholt haben.“

„Spiel hier keine Spielchen mit uns“, sagte Tremaine. „Wir haben genug gegen dich in der Hand, um dich für die nächsten fünfzehn Jahre aus dem Verkehr zu ziehen. Du solltest besser mit uns zusammenarbeiten. Das kann sich strafmildernd auswirken.“

„Ich habe nichts Unrechtes getan“, wiederholte Travis.

Collins grinste. „Das hat dein Alter auch immer behauptet.“

„Mein Vater ist kein Mörder! Niemand weiß, was damals an Bord der Eloise passiert ist.“

„Natürlich nicht. Dein Alter war zu betrunken, um sich daran erinnern zu können, dass er deine Mutter über Bord gestoßen hat.“

Travis sprang auf und ballte die Fäuste. „Nur weil die Leute eine Lüge dauernd wiederholen, wird sie nicht wahr.“

„Schluss jetzt“, rief Tremaine. „Collins, halten Sie sich zurück. Setz dich wieder hin, Travis.“

Kraftlos sank er auf den Stuhl, alles drehte sich um ihn. Allmählich wurde ihm klar, dass er in größeren Schwierigkeiten steckte, als er befürchtet hatte. Sie hatten ihn nicht zum Spaß hochgenommen wie einen Schwerverbrecher. Kalte Furcht kroch in sein Herz. Würde Garreth so weit gehen, ihm die Schuld für eine Tat in die Schuhe zu schieben, die er selbst begangen hatte? Wenn es so war, standen Travis‘ Chancen schlecht. Schließlich war er der Sohn eines stadtbekannten Säufers, von dem die Leute behaupteten, er habe seine Frau ermordet. Ein Rumtreiber, der sich auf dem vergammelten Kutter seines Vaters die Finger blutig schuftete, damit der Alte sich Gin kaufen konnte. Dessen schlechter Ruf färbte unwillkürlich auf Travis ab. Die Leute machten da keinen Unterschied. Er war der Sohn eines Versagers, und nun stand sein Wort gegen das von Garreth Wyne, der in Exeter studierte und bald die Leitung des Hotels seines Vaters übernehmen würde – einem angesehenen Bürger Pennacks, der im Stadtrat saß, Macht und Einfluss hatte und die Taschen voller Geld. Die Wynes konnten sich Anwälte leisten, die jede Spur eines Verdachts vom Tisch wischen würden. Und was hatte er vorzuweisen? Den Ruf eines faulen Apfels, der das ganze Fass anzustecken drohte, hätte Jenkins gesagt.

Travis spürte, dass etwas Schreckliches geschehen war. Er hatte Angst, Angst um Susan. Was um Gottes willen hatte Garreth getan?

„Wir wollten uns hinter dem Maugham-Haus treffen, im alten Garten oberhalb der Klippen“, sagte er. „Dort waren wir oft zusammen.“

„Aber Susan kam nicht?“

„Nein.“

Collins schüttelte den Kopf und lachte.

„Was hast du dann gemacht?“, fragte Tremaine.

„Ich hab bis Viertel vor acht gewartet, dann bin ich runter zum Bootshaus. Ich hab den Pick-up geholt und bin herumgefahren, um Susan zu suchen.“

„Du hast nicht versucht, sie anzurufen?“

„Doch, natürlich. Aber sie hat sich nicht gemeldet.“

„Wir checken gerade sein Handy“, sagte Collins.

Tremaine nickte. „Und dann?“

„Unterwegs hab ich Steve Perkins getroffen. Er hat mich überredet, mit ihm ein, zwei Bier zu trinken.“

„Und du bist einfach mitgegangen? Du sorgst dich um deine Freundin und fährst durch die Nacht, um sie zu suchen, aber dann beschließt du plötzlich, durch die Pubs zu ziehen?“

Travis brauchte nicht lange darüber nachzudenken, warum er Steves Einladung gefolgt war. Er hatte Vergessen gesucht, weil die Wirklichkeit zu schmerzhaft war, um sie ertragen zu können. Er hatte es wegen Susan getan. Wegen Garreth und seinem verfluchten Jähzorn. Wegen des Alten, der ihn mit dem Bootshaken jagte, weil er ihn im Delirium für den Leibhaftigen hielt, der gekommen war, um ihn in die Hölle mitzunehmen. Er hatte getrunken, weil er wenigstens eine Zeit lang vergessen wollte, dass er dieses öde Kaff und seine einfältigen und starrsinnigen Bewohner niemals hinter sich lassen konnte, bevor er seine Schulden abbezahlt hatte. Seine einzige Chance war Susan gewesen. Als sie nicht kam, war ihm klar geworden, was das bedeutete. Er war raus aus dem Spiel und Garreth drin. Erst nachdem er den Garten verlassen hatte und mit düsteren Gedanken beladen nach Pennack hinunterging, war in ihm der Verdacht gekeimt, Garreth könnte das Treffen gewaltsam verhindert haben.

„Ich war vorher in der Wache und habe Susan als vermisst gemeldet“, sagte er. „Aber Jenkins hat mich nicht ernst genommen. Er weigerte sich, etwas zu unternehmen.“

„Verständlich“, sagte Collins. „Warum sollte er eine Suchaktion einleiten, nur weil Susan nicht zu eurer Verabredung erschienen ist?“

„Weil ich ihm sagte, ich hätte Grund anzunehmen, dass Garreth ihr etwas angetan hat. Es wäre nicht das erste Mal, dass er gewalttätig wird. Ich habe Susan nie zuvor so ängstlich erlebt. Es musste etwas Schlimmes passiert sein, sonst wäre sie nicht derartig in Panik geraten.“

„Du glaubtest also, Garreth sei dahintergekommen, dass du ein Verhältnis mit ihr hast?“, fragte Collins.

„Ja, es gab keine andere Erklärung.“

„Wann bist du auf der Wache gewesen?“, fragte Tremaine.

„Hab ich doch gesagt. So gegen acht.“

Collins verließ den Raum. Travis sah durch die gläserne Trennscheibe, dass er telefonierte. Wahrscheinlich würden sie jetzt den Maugham-Garten absuchen und mit Jenkins reden, um die Angaben zu überprüfen.

„Weiter“, sagte Tremaine.

„Ich hab den Wagen im Bootshaus abgestellt. Kurz darauf lief mir Steve über den Weg. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, und brauchte jemanden zum Reden. Steve lud mich zu einem Bier ein, aber dann …“, er senkte beschämt den Kopf, „… hab ich die Kontrolle verloren. Wie ich in den Schuppen zurückgekommen bin, weiß ich nicht mehr.“

Er beugte sich vor und barg das Gesicht in den Händen. Der verfluchte Alkohol! Warum nur hatte er Steves Drängen nachgegeben? Er wusste doch, wie es endete, wenn er in einen Pub ging.

„Sagen Sie mir jetzt endlich, was passiert ist.“

Tremaine lehnte sich zurück. „Ich werde dir mal erklären, wie ich die Sache sehe. Du fängst ein Techtelmechtel mit der Freundin deines ehemals besten Kumpels an, aber sie bekommt Gewissensbisse. Sie muss sich zwischen euch entscheiden, und das tat sie gestern Abend. Sie bestellt dich in den Maugham-Garten und macht dir klar, dass es aus ist. Ihr streitet euch, und du verlierst die Beherrschung. Du willst nicht wahrhaben, dass sie sich für Garreth entschieden hat. Ausgerechnet für ihn, der es zu etwas gebracht hat, während du ihr nichts zu bieten hast außer einem schrottreifen Fischkutter und einen Haufen Schulden.“

„Das ist nicht wahr.“

Travis ballte die Fäuste und grub die Fingernägel in die Handflächen, bis der Schmerz unerträglich wurde. Tremaine stieß ihm ein Messer ins Herz und drehte es in der Wunde herum.

„Nein, nein, nein“, sagte er, „so war das nicht.“

„Dann sag mir, was passiert ist.“

„Ich kann mich an nichts erinnern.“

„Okay, Travis. Vielleicht war es keine Absicht, sondern ein Unfall. Die hast Susan gestoßen, und sie ist unglücklich gestürzt. Plötzlich liegt sie da und rührt sich nicht mehr. Überall ist Blut. Du gerätst in Panik und handelst kopflos.“

„Nein. Das stimmt nicht. Mir ist übel.“

„Kotz uns bloß nicht das Büro voll!“, sagte Tremaine.

Er klopfte an die Scheibe. Zwei uniformierte Beamte kamen und begleiteten Travis zu den Toiletten. Er stolperte in eine der Kabinen und erbrach sich in die Toilettenschüssel, bis sich sein leerer Magen krampfhaft zusammenzog. Erst jetzt wurde ihm die Bedeutung dessen, was Tremaine sich zusammenreimte, klar. Er war davon überzeugt, dass Susan einem Verbrechen zum Opfer gefallen war, und hielt ihn für den Täter. Aber … irgendetwas stimmte nicht an dem, was er sagte. Etwas Wichtiges fehlte.

„Komm jetzt! Weiter geht‘s.“

Die Beamten zogen ihn hoch. Travis steckte den Kopf ins Waschbecken und spülte sich den Mund aus. Dann brachten sie ihn zurück in den Verhörraum und drückten ihn auf den Stuhl.

„Okay“, sagte Tremaine, „hast du ein bisschen nachgedacht?“

„In der Kloschüssel? Ich kam gerade nicht dazu.“

„Dann muss ich das für dich machen. Du warst in Panik. Die Leiche musste verschwinden, denn du wusstest genau, dass wir dir den Mord sonst leicht nachweisen würden. Also hast du sie mit deinem Wagen zum Bootsschuppen gebracht. Aber da konnte sie nicht bleiben. Du schaffst sie fort und triffst kurz darauf deinen Kumpel Steve. Obwohl du normalerweise keinen Tropfen anrührst, ziehst du sofort mit ihm los und betrinkst dich bis zur Besinnungslosigkeit. Warum hast du das getan? Ich werd‘s dir sagen: um dein Gewissen zum Schweigen zu bringen. Die verdammte Stimme in deinem Kopf, die nicht aufhören wollte, dich anzuklagen. Wie konntest du so etwas Böses tun, Travis? Was hast du dir dabei gedacht? Warum ausgerechnet Susan, die du doch geliebt hast? Du hast sie totgeschlagen und verbuddelt wie einen Hundekadaver.“

„Hören Sie auf.“

„Nein, Travis. Ich fange gerade erst an. Also?“

„Also was?“

„Wo hast du die Leiche versteckt?“

„Leiche?“

Die Erkenntnis traf ihn mit der Wucht einer stumpfen Axt. Susan war tot. Alles, was Tremaine vermutete, entsprach der Wahrheit – mit einem Unterschied. Nicht er, Travis, hatte Susan umgebracht, sondern Garreth. Er kämpfte gegen die schwarze Woge der Trauer an, die über ihm zusammenschlug. Die quälende Vorstellung, dass es Susan nicht mehr geben sollte, brachte ihn fast um den Verstand.

„Sie könnte noch leben, wenn Jenkins etwas unternommen hätte!“, schrie Travis unter Tränen.

Collins kehrte zurück, er hatte die letzten Worte offenbar gehört.

„Demnach ist Susan Prescott tot?”, fragte er.

„Das habe ich nicht behauptet. Sie haben von einer Leiche geredet.“

Travis biss sich auf die Unterlippe. Er war nicht ausgekocht genug, um es mit zwei erfahrenen Mordermittlern aufnehmen zu können, die ihm jedes Wort im Mund herumdrehten. Schon gar nicht in seinem Zustand. Es war ohnehin sinnlos. Sie hatten einen Schuldigen gefunden, einen Kerl aus den Docks, der sich an die Tochter eines der reichsten Bürger Pennacks herangemacht hatte, um Zutritt zu einer Welt zu erlangen, die ihm auf anderem Weg verschlossen war.

Collins legte zwei durchsichtige Plastikbeutel auf den Tisch. Travis wurde schlagartig nüchtern. In dem ersten Beutel steckte ein Bootshaken. Es war keiner der modernen aus Aluminium oder Kunststoff, sondern ein schwerer, eiserner Haken mit einer konischen Tülle, in die man eine Holzstange stecken konnte. Es war einer von denen, wie sein Vater sie benutzte. Im Bootshaus und auf der Eloise gab es mehrere davon. An diesem klebten Blut und Haare. 


Er irrt sich nie: Jede einzelne Prophezeiung des Star-Wahrsagers Gabriel Nexx ist eingetreten. Die Journalistin Valerie de Crécy ist zunächst begeistert, als der medienscheue Nexx einwilligt, ihr ein Interview zu geben. Seine Avancen weist sie allerdings empört zurück. Kurz darauf sterben Menschen in Valeries Umfeld auf bizarre Weise. Sie weiß, dass Nexx dafür verantwortlich ist, doch nachweisen kann sie ihm nichts. Er dagegen scheint einfach alles über sie zu wissen, jeden ihrer Schritte, jede Entscheidung vorhersagen zu können. Valerie muss dringender denn je hinter das Geheimnis ihres Stalkers kommen, als Nexx öffentlich ihren baldigen Tod prophezeit – doch wie besiegt man einen allwissenden Gegner?





Frankfurt, 1947. Während viele Deutsche ums Überleben kämpfen, sucht Hannah Bloch im Auftrag des CIC nach den Verantwortlichen der Euthanasiemorde. Eine Spur führt sie nach England, wo sie auf eine Spur von Rolf Heyrich stößt. Hannah folgt dem Mörder ihres geliebten Hans quer durch Europa. Auf ihrem Weg lernt sie Pawel Kowna kennen, einen ehemaligen KZ-Häftling, der nur einen Gedanken kennt: Rache. In ihm findet sie einen Gleichgesinnten, doch Pawel hütet ein dunkles Geheimnis. Sein Hass droht nicht nur ihn zu vergiften, sondern auch Hannah …






Die vierzehnjährige Hannah leidet an Epilepsie. Sie weiß, dass sie deswegen in tödlicher Gefahr schwebt, denn die Nazis planen alles lebensunwerte Leben zu vernichten. Hannah verheimlicht ihre Krankheit, so gut es geht, doch durch einen Krampfanfall vor den Augen ihres linientreuen Lehrers gerät sie in die Mühlen der geheimen Mordaktion T4. Fortan hängt ihr Überleben von dem Psychiater und T4-Gutachterarzt Joachim Lubeck ab, der aus Angst vor einem Fronteinsatz jeden Befehl seines Vorgesetzten gewissenlos ausführt, bis er auch vor Mord nicht zurückschreckt. Durch ihn verliert Hannah nach und nach ihre Freiheit, Familie, Freunde und die erste große Liebe.  Doch die Tage der Terrorherrschaft sind gezählt und das Blatt könnte sich wenden ...





Als Shadi Seeger der Hilferuf ihrer alten Freundin Gudrun erreicht, kehrt sie widerwillig in ihren verhassten Heimatort zurück. Zurück an den Ort, an dem sie vor fünfzehn Jahren vergewaltigt wurde. Doch als sie ankommt, ist Gudrun bereits tot. Während die Polizei von einem Suizid ausgeht, glauben weder Gudruns Anwalt noch Shadi an diese Theorie. Denn Shadi kennt bereits die Mörder: Es sind dieselben Männer, die sie damals vergewaltigt haben und nie für ihr Verbrechen verurteilt wurden. Sie beschließt Rache zu nehmen. Doch bevor sie ihre Pläne in die Tat umsetzen kann, sind die Mörder bereits tot … Und Shadi gerät unter Mordverdacht.





 Die neurotische Jule Rahn lebt in einem Käfig aus Angst und Zwangshandlungen, ihre Wohnung verlässt sie nur auf zuvor exakt festgelegten Wegen. Als sie Zeuge eines Mordes an einem alten Mann wird, gerät ihr streng geregeltes Leben aus den Fugen. Der Täter lässt nichts unversucht, um sie zum Schweigen zu bringen. Doch der Mann mit der Narbe im Gesicht ist nicht ihr einziges Problem. In Jules Nachbarbarschaft verschwinden spurlos alte Menschen. Sie bittet den Mordermittler Lucas Prinz um Hilfe, doch der schenkt ihrer wirren Geschichte keinen Glauben, bis es fast zu spät ist. Denn wer entführt schon alte Leute, die kaum genug Geld zum Leben haben?





 Ein tragisches Unglück zerstört das Leben der Unfallärztin Lisa Wegener. Sie verliert ihren Job, ihre Selbstachtung und ihren Lebensmut. Das Blatt scheint sich zu wenden, als sie den Wissenschaftler Vincent van Dyck kennen und lieben lernt. Zu spät erkennt Lisa, dass sie einen egomanischen Psychopathen geheiratet hat. Van Dyck hat panische Angst davor, vorzeitig zu sterben und ist besessen davon, den Tod zu besiegen. Um sein Ziel zu erreichen, schreckt er auch vor Mord nicht zurück. Als er durch Lisas Schuld stirbt, ist das nicht das Ende, sondern der Anfang eines Albtraums ...




 


Funke & Stein Band 1

Drei Tage und drei Nächte war die Koblenzer LKA-Profilerin Helen Stein in der Gewalt eines Serienmörders, der bereits ein Dutzend junger Frauen ermordet hat. Sie erwacht nackt und hilflos auf dem Parkplatz einer Autobahnraststätte. An die Zeit ihres Martyriums fehlt ihr jede Erinnerung.
Ihr Vorgesetzter verordnet ihr eine Auszeit in einer kleinen Polizeiinspektion im Westerwald. Doch nur wenige Stunden nach ihrer Ankunft wird sie bereits mit einer Mädchenleiche konfrontiert. Schnell wird klar, dass der Killer ihr gefolgt ist und nun ein perfides Spiel mit ihr treibt.
Ihre einzige Hilfe scheint der Dorfpolizist Funke zu sein, der sich nach dem Verschwinden seiner Tochter langsam zu Tode säuft. Das ungleiche Paar nimmt den scheinbar aussichtslosen Kampf gegen einen skrupellosen Gegner auf, der ihm stets einen Schritt voraus zu sein scheint.

          

    Funke & Stein Band 2

Ben Funke  scheint sein Leben endlich wieder in den Griff zu bekommen. Aber als er am Morgen neben Carola aufwacht, der Frau, die ihm neue Hoffnung gibt, ist diese tot, erschossen mit seiner eigenen Dienstwaffe. Funkes Erinnerung an die zurückliegenden Stunden ist restlos ausgelöscht, aber eins ist sicher: Niemals hätte er seine Geliebte getötet!
Er wagt das Undenkbare und lässt die Leiche verschwinden. Auf eigene Faust begibt er sich auf die Suche nach dem Mörder. Dass ausgerechnet sein Intimfeind Kriminalrat Berthold Kain die Ermittlungen leitet, macht die Sache nicht eben leichter.

Auf die Hilfe von Profilerin Helen Stein kann er dieses Mal nicht hoffen, denn die Jagd nach einem Serientäter, auf dessen Konto sechs im Westerwald spurlos verschwundene junge Frauen gehen, fordert ihren vollen Einsatz. Von einem Moment auf den nächsten findet sich Funke in einem Albtraum wieder. Gejagt, verletzt und ohne Aussicht, seine Unschuld beweisen zu können.



Maren Ohlsen sucht die Ruhe und Abgeschiedenheit der Ostseeinsel Schelfhorn und findet sich unversehens in einem Albtraum wieder. Der Pharmakonzern Hera-Med hat mit dem Testlauf für ein neues Medikament auf Schelfhorn eine Katastrophe ausgelöst. Ein simpler Programmierfehler verwandelt sogenannte Nanobugs, winzige, bakterielle Nanoroboter, die darauf programmiert sind, Tumorgewebe zu zerstören, in unkontrollierbare Killermaschinen. Als ein Orkan aufzieht, verwandelt sich die Insel in eine tödliche Falle. Einzig der Wissenschaftler Arne Hendrikson, der in einem alten Leuchtturm auf der Insel lebt, scheint zu wissen, was geschieht. Maren setzt alles daran, Hendrikson aus seiner selbst gewählten Isolation zu reißen, denn nur er kann die Nanobugs jetzt noch stoppen.




 Sie spricht nicht, denkt mit einem Computerchip und verhält sich wie ein Kind, das mit atemberaubender Geschwindigkeit lernt. Und sie ist tätowiert wie ein Versuchstier. Ihr Name: EVE 1.0. Als der Arzt Adrian Sykes versucht, die Identität der Frau zu lüften, die seiner verstorbenen Ehefrau Christina aufs Haar gleicht, legt er sich mit mächtigen Gegnern an, die keine Skrupel kennen, ihr Geheimnis zu wahren. Bald wird ihm klar, dass die sanfte Eve nicht das einzige Hybridwesen einer neuen Rasse ist. Ihr droht nicht nur von Brad Wilson Gefahr, Adrians altem Feind aus Kindheitstagen und Leiter eines riskanten Experiments, sondern auch von einer Schimäre namens Adam, die allein eine Aufgabe kennt: Töten.




So hatte sich die Trickdiebin Sammy den Abend nicht vorgestellt. Mit einem Dutzend geklauter Kreditkarten in der Tasche beobachtet sie unfreiwillig einen Mord. Ihre clevere Idee, ihr Wissen in einen Haufen Geld zu verwandeln, erweist sich als tödlicher Bumerang. Oder soll sie der Polizei wirklich erzählen, dass der Chef der Mordkommission eine Leiche in einem alten Töpferbrennofen verschwinden ließ?
Sammy bleibt nur eine Chance: Sie muss den jungen Mordermittler Mario Moretti davon überzeugen, dass ihr ausgerechnet aus den Reihen der Polizei Gefahr droht. Moretti vertraut Sammy seinem ehemaligen Kollegen Jan Stettner an, der sich seine Brötchen inzwischen als Privatdetektiv verdient und mal wieder dringend Geld braucht.
Hals über Kopf schlittert Stettner in seinen ersten Fall …




Die verstörte Judith Malessa bittet den Privatdetektiv Jan Stettner um Hilfe und erzählt ihm eine unglaubliche Geschichte. Sie ist überzeugt davon, das nächste Opfer des Serienkillers zu werden, den die Presse den "Inquisitor" nennt, weil er seine Opfer auf grausame Art zu Tode foltert. Doch Stettner glaubt ihr zunächst nicht, bis er die unheimlichen Fähigkeiten des Killers am eigenen Leib erfährt und eines der uralten Amulette in den Händen hält, die die Polizei an den Tatorten gefunden hat. Die Spur führt ihn zur jungen Sarah, die überzeugt davon ist, schon einmla gelebt zu haben, und die schreckliche Rache nimmt an de Nachkommen ihrer einstigen Peiniger. Eine atemlose Jagd beginnt.


weitere Titel in Vorbereitung ...



Was es über mich zu sagen gibt ...

 


Geboren wurde ich am 21. März 1964 in Kirchen, einem kleinen Ort zwischen Siegerland und Westerwald. Das ist natürlich eine ganze Weile her und ich kann mich nicht mehr so genau daran erinnern. Es gibt allerdings Zeitzeugen, die mir bereits in einem sehr frühen Alter eine überdurchschnittliche Fantasie zuschreiben. Daran hat sich bis heute nichts geändert; im Gegenteil, gelegentlich kann ich die Geschichten, die sich vor meinem inneren Auge abspielen, gar nicht so schnell festhalten, wie sie plötzlich da sind. Schriftsteller klagen dann und wann über die berüchtigte Schreibblockade – ich muss die Muse manchmal rauswerfen, damit ich mal zur Ruhe komme. (Sie kehrt bisher aber stets zu mir zurück, wofür ich ihr außerordentlich dankbar bin)

Diese geheimnisvollen Schnörkel auf ein weißes Blatt Papier zu malen, hat mich schon sehr früh fasziniert. Ich ahnte, dass sich dahinter Geschichten und Figuren verbargen, die nur darauf warteten, von mir zum Leben erweckt zu werden. Es dauerte dann aber noch viele Jahre, bis ich mich dazu entschloss, einen Roman zu schreiben. Im Alter von fünfzehn stellte ich fest, dass es sich berauschend gut anfühlt, hinter einem Schlagzeug zu sitzen und auf alles draufzuhauen, was da vor einem steht und hängt.

(Böse Zungen behaupten, das wäre ein Foto von Karate-Kid, aber das stimmt nicht. Ich schwöre!)

Zwar entstanden damals schon mehrere gruselige Kurzgeschichten und zwei kurze Romane, aber es blieb für lange Zeit dabei. Das Schlagzeug war faszinierender. Vierzehn Jahre spielte ich in verschiedenen Bands. Der große Erfolg war nicht dabei, obwohl sich da mittlerweile etwas anzubahnen scheint: Einer meiner ehemaligen Mitstreiter des Studio-Projekts „Orange County“ hat die CD, die 1995 in Bochumer Studios entstand, ins Netz gestellt. Man kann die CD über Onlineportale wie ,my space’ herunterladen. Über 30.000 Klicks weltweit sind ein ganz beachtlicher Erfolg. Inzwischen sitze ich wieder an den Drums meiner alten Band aus den 80ern. Wir haben uns nach über 30 Jahren wieder zusammengefunden, worüber ich mich sehr freue.

Irgendwann bahnte sich dann doch der Traum vom Schriftsteller seinen Weg. Eines Tages fiel mir beim Entrümpeln infolge eines Umzugs ein Manuskript in die Hände, das ich nicht beendet hatte. Ich fing an zu lesen und dachte: „He, das ist gar nicht so schlecht!“ Ich schrieb dann noch ein Dutzend weitere Romane und es brauchte noch weitere zehn Jahre, bis im September 2008 endlich der Roman „Schattenjagd“ erschien. (Leider ist „Schattenjagd“ mittlerweile vergriffen. Ob es eine Neuauflage geben wird, steht noch nicht fest. Das ist eins der vielen Projekte, die ich vor mir herschiebe.) Im Augenblick schreibe ich wie verrückt und produziere jede Menge Papierstapel mit diesen komischen Schnörkeln drauf. Lassen Sie sich überraschen, was als nächstes kommt…

An dieser Stelle möchte ich Allen Mut machen, die sich an das nervenaufreibende Projekt "Ich schreibe einen Roman" gewagt haben. Der größte Fehler meines Lebens war es, nach den Absagen verschiedener Verlage für mein erstes Manuskript "Die Sternenodysee" aufzugeben. Ich habe fast zehn Jahre verschenkt, bevor ich wieder vom Schreibfieber befallen wurde. Zehn Jahre, in denen ich zehn Romane hätte schreiben können. Also: Dranbleiben, besonders, wenn es gilt, Durststrecken zu überwinden.

Worüber ich schreibe

Thrill

Ich schreibe Bücher, die ich selbst gerne lese. (Es funktioniert auch nur so – ich könnte niemals einen Australienroman schreiben, es sei denn, in Australien ereignen sich ungemein spannende und rätselhafte Dinge). Den ersten Kontakt mit Science-Fiction-Geschichten, Horror-und Fantasyromanen hatte ich schon als Kind. Meine ältesten literarischen Vorbilder sind Jules Verne und H.G. Wells. In den achtziger Jahren gesellten sich Autoren wie Dean Koontz und Stephen King dazu, später Krimi-Autoren wie Robert B. Parker. Ich liebe rätselhafte und geheimnisvolle Geschichten über alles – fragen Sie mich nicht, warum das so ist, ich weiß es nicht. Dabei geht es mir nicht um den vordergründigen Horroreffekt. Ich schreibe über das unheimliche Prickeln im Nacken, das einen befällt, wenn man entdeckt, dass es hinter der Wirklichkeit, die wir wahrnehmen, vielleicht mehr steckt, als wir sehen. Damit meine ich in der Regel keine paranormalen Ereignisse, obwohl ich auch solche Romane geschrieben habe, sondern um Grenzbereiche und um die Frage: „Was wäre, wenn …?“

Ich liebe es, diese einfache Frage zu spannenden Themen zu stellen und die Antworten in meiner Fantasie weiterzuentwickeln. So geht es im Roman „Nexx-Die Spur“ um einen Computeralgorithmus, der in dieser Form noch nicht existiert, der aber in naher Zukunft Realität werden könnte. „Die Brut“ beschäftigt sich mit der Nanotechnologie, „Das Prometheus-Projekt“ mit künstlicher Intelligenz. Bei all diesen Geschichten steht die Frage mit Mittelpunkt, wie wir mit diesen neuen Technologien umgehen.

Am wichtigsten jedoch sind für mich in jeder Geschichte die Figuren. Sie zu Beginn in einen tiefen Abgrund zu stürzen und zu beobachten, wie sie aus der Grube wieder herausklettern, auf der Suche nach dem Ausgang des Labyrinths, das sind die Stoffe, aus dem spannende Geschichten gewoben werden.

Krimi

Seit etwa drei Jahren schreibe ich neben Thrillern auch Kriminalromane. Was zunächst als Experiment begann, ist zum festen Bestandteil meines Repertoires geworden: Krimis, die vor meiner Haustür spielen. (Natürlich kann ich es mir nicht verkneifen, auch hier ab und zu mit dem unheimlichen Prickeln im Nacken zu spielen.)

Das Etikett „Regio-Krimi“ mag ich nicht so gerne. Vermutlich käme auch niemand auf die Idee zu behaupten, Stephen King schreibe Regio-Horror, weil seine Geschichten in seiner Heimat Maine spielen. Ich habe mit Überraschung zur Kenntnis genommen, wie wichtig vielen Lesern die feste Verortung von Handlung ist. Daher spielen meine Krimis in der Regel in meiner Heimat, dem Westerwald. Trotzdem sind die Geschichten ein Stück weiter düsterer und „amerikanischer“ als die meisten Regionalkrimis, was wahrscheinlich an meiner Vorliebe für amerikanische Krimiautoren wie Robert B. Parker und Dave Zeltserman liegt.

Nach mehreren Anläufen, eine Krimiserie aufzubauen, erscheint seit September 2016 eine Reihe um die LKA-Profilerin Helen Stein und den Polizisten Ben Funke. Die Reihe um den Privatdetektiv Jan Stettner liegt im Moment auf Eis, aber irgendwann werde ich sicher zu Stettner und Moretti zurückkehren. In welcher Form, steht noch nicht fest.

Zeitgeschichtliche Romane

Mit "Die Unwerten" habe ich mich zum ersten Mal auf für mich schriftstellerisches Neuland gewagt und erstaunt festgestellt, dass mir dieses Genre zu liegen scheint. Mit "Die Ungerächten" erscheint nun ein zweiter zeitgeschichtlicher Roman und es wird nicht der letzte bleiben. Die Zukunft wird zeigen, ob dieser Teilbereich meiner Arbeit in Zukunft weitaus mehr Raum einnehmen wird. Es seht ganz danach aus.





Nach mehreren Anläufen, eine Krimiserie aufzubauen, erscheint seit September 2016 eine Reihe um die LKA-Profilerin Helen Stein und den Polizisten Ben Funke. Die Reihe um den Privatdetektiv Jan Stettner liegt im Moment auf Eis, aber irgendwann werde ich sicher zu Stettner und Moretti zurückkehren. In welcher Form, steht noch nicht fest.

Preise und Auszeichnungen:

2. Platz Deutscher E-Book-Preis 2012 für die Kurzgeschichte SCHWARZER REGEN